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Kulturcafé Michelbach e. V.

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Ausgangspunkt

Das Kurhessischen Plakatinstitut hat die Litfaßsäule am Festplatz in Marburg-Michelbach in das Eigentum der Stadt Marburg übergeben. Im Rahmen einer Patenschaftsvereinbarung  mit der Stadt Marburg hat das Kulturcafé Michelbach e. V. am 1. Juli 2019 die Gestaltung dieser Litfaßsäule als “Kunstsäule Michelbach” übernommen. Sie fungiert quasi als „Open Air Kunstmuseum“.

Ziele

Die Umwidmung und Gestaltung einer Litfaßsäule in eine Kunstsäule – die erste dieser Art in Marburg – an einem prominenten Platz in Michelbach soll Kunst im öffentlichen Raum beleben und die Aufmerksamkeit der Bewohnerinnen und Bewohner von Michelbach und deren Gäste auf Kunst und Kunstaktivitäten lenken. Die Betrachter, die normalerweise auf einer Litfaßsäule Werbung für Produkte und Veranstaltungen erwarten, können somit neben der klassischen Museumsumgebung im Vorbeigehen einen unbefangenen und immer wieder anderen Blick auf Kunst richten.
Die „Kunstsäule Michelbach“ soll darüber hinaus den Ort ästhetisch aufwerten, ihn attraktiver machen, soll die Gespräche über Kunst speziell im öffentlichen Raum unter den Menschen anstoßen und die Qualität und die Identifikation mit der Lebensumgebung erhöhen. Zeitlich gesehen kann die Kunstsäule – auch wenn sie in hoffentlich ferner Zukunft nicht mehr existieren sollte – im kollektiven Gedächtnis der Bewohner*innen des Stadtteils Michelbach haften bleiben und auf ihn als kunstafinen Ort verweisen.

Vorhaben

Unter der Federführung des Kulturcafés Michelbach e. V. ist geplant, die „Kunstsäule Michelbach“ maximal dreimal im Jahr durch wechselnde Kunstprojekte zu gestalten.
Als Kunstschaffende werden in erster Linie lokale Künstler*innen oder Künstler*innengruppen angesprochen. Dabei sollen auch die hiesigen Schul- und Kindergartenkinder über Kunstprojekte Gestaltungsraum bekommen. Aber auch Studierende der Fakultät für bildende Künste der Universität in Marburg und etablierte Künstler*innen sollen eingeladen werden.

Technische Umsetzung

Die Kunstsäule wird mit einer Schicht Papier (Affichenpapier) versehen, auf der Künstler*innen direkt arbeiten können oder auf die Malereien, Zeichnungen oder Fotografien geklebt werden. Um die Arbeiten wetterfest zu machen, werden sie mit Klarlack überzogen.
Bei einem Wechsel der Arbeiten wird direkt über die vorhandenen Werke gemalt oder eine Papierschicht geklebt, auf der dann wieder gemalt oder geklebt werden kann. Das Ganze wird erneut mit Lack versiegelt.

Organisatorische Umsetzung

Die Arbeiten zur Umsetzung des Projekts „Kunstsäule Michelbach“ erfolgt in erster Linie durch Mitglieder des Kulturcafés Michelbach ehrenamtlich.
Dazu gehören die Ausschreibung von Projekten, der Kontakt zu den künstlerisch Aktiven, die Auswahl und Betreuung der Künstler*innen und die Berichterstattung über die Ausstellungen.
Weiterhin gehören dazu die Pflege und ggf. Instandhaltung der Kunstsäule und seiner Umgebung, sowie die Kontrolle der Verkehrssicherheit.
Die Vorbereitung der Säule, das Anbringen und das Fixieren der Arbeiten werden gemeinsam mit den Künstler*innen ebenfalls von den Mitgliedern vorgenommen.

Zeitplan

Es ist geplant, drei Kunstprojekte pro Jahr zu organisieren und umzusetzen. Zeitpunkte sind Frühling, Sommer und Herbst.

Finanzierung

Zur Finanzierung des Vorhabens werden Fördergelder und Spenden eingeworben und zum Teil Eigenmittel des Vereins eingesetzt
 

 

Gestaltungen

Augangssituation

Die Idee für Plakatsäulen hatte der Berliner Drucker Ernst Litfaß. Sie sollten die um sich greifende Wildplakatierung von Werbung vermeiden. Er bekam am 5. Dezember 1854 die Genehmigung der Stadt Berlin, seine “Annoncier-Säulen” aufzustellen, mit der Auflage, auch neueste Nachrichten an den Säulen zu publizieren. Im Jahre 1855 wurden die ersten 100 Annonciersäulen in Berlin aufgestellt und dem Erfinder zu Ehren “Litfaßsäulen” genannt (siehe die zeitgenössische Lithographie zur ersten Litfaßsäule (
https://de.wikipedia.org/wiki/Litfaßsäule (Zugriff 22. 7. 2020))).

 

Die Litfaßsäule, die seit 1981 am Festplatz in Michelbach steht, diente den Werbetreibenden als Ort, ihre Produkte oder Informationen in Plakatform bekannt zu machen. Durch die Ausbildung alternativer Werbemedien, speziell des Internets, wurde diese Werbeform für die Betreiber der Säule in Michelbach, dem Kurhessischen Plakatinstitut in Marburg, immer weniger wirtschaftlich. Das äußerte sich darin, dass immer weniger Plakate angeklebt wurden und die älteren sich schon lösten. Insgesamt war die Säule vom ästhetischen Gesichtspunkt aus gesehen wenig ansehnlich.

 

Mit der Übernahme der Gestaltung der Säule und im Zuge der Umwidmung der Säule als Kunstsäule, wurde sie in den Monaten September und Oktober 2019 von den ‚Altlasten’ befreit, wurden Fuß und Deckel neu gestrichen und für eine Erstgestaltung mit Blankoaffichenpapier beklebt.

 

Erste Gestaltung

Am 9. November 2019 war es dann soweit. Mitglieder des Kulturcafés Michelbach beklebten zum ersten Mal die Säule. Tipps und Kleister bekamen wir von der Firma Außenwerbung Ruber aus Reiskirchen, und vom Kulturamt Marburg gab es eine finanzielle Anschubförderung. Nach einem Entwurf des Kulturcafémitglieds Peter M. Pittner wurde ein Motiv gedruckt, das in Form, Farbe und Symbolik bewusst Elemente beinhaltet, die schon im Logo zur 1200-Jahrfeier von Michelbach im Jahre 2017 verwendet wurden. Verbunden mit dem Schriftzug “KUNSTSÄULE MICHELBACH” sollte die Bevölkerung von Michelbach auf die neue Kunstsäule eingestimmt werden.

 

 

Zweite Gestaltung

Es war vorgesehen, Michelbacher Kindern der Grundschule und der Kindergärten die Gelegenheit zu geben, die Kunstsäule im Mai 2020 zu bemalen.  Aufgrund der Kontaktrestriktionen in der Coronazeit musste dieser Plan fallen gelassen werden. Es konnte aber eine Künstlerin gewonnen werden, in einer Liveaktion die Säule zu bemalen.
Sabine Schock aus Marburg (http://sabineschock.de/), die ihr Atelier im Historischen Schwanhof hat, portraitierte Michelbacher*innen, die bei der Aktion an der Kunstsäule vorbeikamen. In insgesamt fünf Stunden entstanden so 14 Portraits. Ihr Credo: „In unserem Körper und unserem Gesicht sind unsere Lebenserfahrungen enthalten. Die Geschichten und Emotionen, die mich ansprechen, in Menschenbildern und Portraits zu entdecken, ist für mich eine spannende Herausforderung.” Dies konnten alle Besucher*innen, die unter Wahrung der geforderten Abstandsregelungen der Aktion zusahen, in ihren Acrylbildern nachvollziehen. In einer Zeit, in der in Michelbach keine kulturellen Veranstaltungen stattfinden konnten, ein Event, das “Farbe” hinterlassen hat

Die fünf Stunden Malzeit wurden aufgezeichnet und in dem anliegenden Videoclip in Zeitraffer auf drei Minuten verdichtet. Vielen Dank an Wolfgang Ostertag aus Michelbach, der diesen Clip zusammengestellt hat. Die Bilder stammen von Peter M. Pittner.